CODESYS Technology Day. 3S kündigt 'Codesys Automation Server' an:

29.05.2018, von Günter Herkommer, computer-automation.de

Mitte Mai veranstaltete 3S-Smart Software Solutions erstmals den 'Codesys Technology Day'. Zentrale Message: Als dritte tragende Säule neben den Runtime- und Engineering-Produkten des Unternehmens soll der 'Codesys Automation Server' das SW-Portfolio vervollständigen.

 

Über 400 Interessierte waren am 16. Mai ins Allgäu nach Kempten angereist, um von den Firmenchefs Dieter Hess und Manfred Werner aus erster Hand zu erfahren, wie die künftige Technologie-Roadmap rund um die IEC-61131-3-Automatisierungssoftware Codesys zur Projektierung von Steuerungssystemen aussieht. Bis dato gründet das Produktportfolio des Unternehmens auf zwei wesentlichen Säulen: der Engineering-Software Codesys sowie der gleichnamigen SPS-Laufzeitumgebung. Nun kommt mit dem ‚Automation Server‘ eine dritte, für die Umsetzung von Industrie 4.0 entscheidende Komponente hinzu.

Der ‘Codesys Automation Server’ soll typische Aufgabenstellungen zu vereinfachen helfen, die bislang nur sehr mühevoll realisierbar waren. So erhält der Anwender beispielsweise künftig in einer Web-Oberfläche einen schnellen Überblick über sämtliche kompatiblen Steuerungen in seinem Netzwerk, kann sofort deren Zustand sowie Applikationsversionen sehen und bei Bedarf neue Applikationen direkt über seinen Browser ausrollen – gleichgültig, ob die Daten auf einem PC, Tablet oder sogar Smartphone dargestellt werden. Weitere komfortable Funktionen: die zentrale Inbetriebnahme zahlreicher Steuerungen mit ein und derselben Applikation, eine Inbetriebnahme durch Servicepersonal vollständig ohne das Codesys Development System, sowie der Austausch von Steuerungen mit einem automatisierten Backup/Restore-Mechanismus. Nicht zuletzt werden sich über den ‘Codesys Automation Server’ Updates einspielen lassen, ohne die Applikation anhalten zu müssen (Hot Swapping). Weitere Ausbaustufen beziehungsweise Funktionserweiterungen sind bereits in Planung. Installiert werden kann der Automation Server auf gängigen Cloud-Systemen, aber ebenso auf eigenen Serverarchitekturen der Maschinen- und Anlagenbauer beziehungsweise der Betreiber.

Zusätzlich zum Automation Server zeigte das 3S-Team im Rahmen des Technologietages weitere Software-Erweiterungen, die kompatible Geräte im Industrie-4.0-Umfeld noch leistungsfähiger machen sollen. So lassen sich künftig Schwachstellen der IT-Security mittel des integrierten ‚Threat-Modeling-Editors‘ aufzeichnen und anschließend zur Laufzeit der Applikation über ein Security-Patch des SPS-Runtime-Systems schließen. Darüber hinaus wurde live vorgeführt, wie einfach Applikationsdaten beliebiger Steuerungen in Cloud-Systeme von Microsoft oder Amazon Web Services übertragbar sind, wo sie entsprechenden Nutzen generieren. In einem Beispielprojekt mit dezentraler Intelligenz demonstrierten die Kemptener nicht zuletzt den Mehrwert der neuen Kommunikations- und Verwaltungsmöglichkeiten sowie die Möglichkeiten der erweiterten integrierten Visualisierung von Codesys mit dem Ziel, den Projektierungsaufwand stark zu reduzieren und die optischen Gestaltungsmöglichkeiten weiter zu verbessern.

Zum Abschluss der eintägigen Veranstaltung fasste Manfred Werner noch einmal seine Vision von der Zukunft der SPS-Programmierung zusammen: „Der Applikationsingenieur von morgen kümmert sich nicht mehr um Runtime-, Compiler- oder Bibliotheks-Versionen. Er installiert keinerlei Software mehr auf seinem Notebook, Tablet oder Smartphone. Stattdessen benötigt lediglich einen Internet-Zugang beziehungsweise einen Browser sowie eine Verbindung zu einem Codesys Automation Server. Letzterer verfügt dabei über eine vollständig V3-kompatible Codesys-Engine.“

Damit die Vision von Manfred Werner Wirklichkeit werden kann, muss allerdings weiter an der Architektur der Softwareplattform gearbeitet werden. Was damit gemeint ist, brachte Entwicklungsleiter Kevin Ketterle auf den Punkt: „Damit sämtliche Module von Codesys – also etwa die für Continuous Integration oder beispielsweise auch der Ladder Editor - beliebig in einem Server-, Browser- beziehungsweise Mobilgeräte-Umfeld lauffähig sind, müssen wir sowohl den Logik-Teil, als auch das User-Interface jeweils entsprechend anpassen. Das bedeutet zum Beispiel, dass wir den Oberflächenteil neu in den einschlägigen, im Web-Umfeld verbreiteten Frameworks wie HTML5 oder Java Script zu schreiben haben.“

Bereits jetzt gelte es, die für dieses Langfristziel notwendigen technischen Voraussetzungen zu schaffen. Dementsprechend hat 3S in diesem Jahr ein internes Entwicklungsprojekt gestartet, das sich ‚Automation Plattform Modularisierung‘ nennt. Ketterle hierzu: „Kurz gesagt – wir pflücken die bisherigen Bestandteile von Codesys auseinander und setzen sie in einer anderen Form wieder zusammen. Oder bildlich gesprochen: Wir werden mit Codesys Lego spielen!“

Was dem Entwicklungsleiter in diesem Zusammenhang aber wichtig ist zu betonen: „Das sind reine interne Umbauten, von denen die Endanwender nichts mitbekommen. Viele werden sich noch an den Schritt von der Version V2 auf V3 und die mit diesem Technologieschnitt verbundenen ‚Schmerzen‘ erinnern. - Das wird bei der anstehenden Neuausrichtung der Architektur mit Sicherheit nicht mehr der Fall sein!“ Und noch ein Versprechen gab Ketterle der versammelten Zuhörerschaft mit auf den Weg: „Auch in 2025 wird es Codesys weiterhin als ein Windows-basiertes Programmiersystem geben. Und auch in einem Cloud-Umfeld wird ein Codesys-Projekt immer noch ein Codesys-Projekt und eine Gerätebeschreibung immer noch eine Gerätebeschreibung sein. Unter dem Strich geht es uns darum, dass unser Kernprodukt architektonisch fit bleibt für das nächste Jahrzehnt und keine Patina ansetzt!“

Günter Herkommer, computer-automation.de