
CODESYS 4: Die webbasierte Entwicklungsumgebung
Derselbe Compiler, dasselbe Laufzeitsystem, dieselben Bibliotheken. Neue Oberfläche.
Version 1.0.0.0 ist seit dem 23. September 2026 verfügbar. CODESYS 4 ist ein zweites Programmiersystem neben dem CODESYS Development System (V3). Sie programmieren weiter nach IEC 61131-3, in Strukturiertem Text und im Kontaktplan. Neu ist, was darunter liegt: Die Oberfläche läuft in einem Browserfenster, das Projekt liegt als Ordner mit Textdateien auf der Festplatte, und neben der Oberfläche steht die Kommandozeile bereit.

CODESYS 4 erneuert die Entwicklungsumgebung, während der bewährte Unterbau bleibt. Der Compiler ist derselbe wie in CODESYS 3, die Bibliotheken sind dieselben, und das Laufzeitsystem auf der Steuerung ist unverändert. Code, den CODESYS 4 übersetzt, läuft deshalb auf jeder Steuerung, die heute schon Code aus CODESYS 3 ausführt.
CODESYS 4 ersetzt CODESYS 3 nicht. Beide Werkzeuge werden parallel weiterentwickelt und gepflegt. Sie entscheiden selbst, ob und wann CODESYS 4 zu Ihrem Vorhaben passt. Auch eine Kombination ist möglich, zum Beispiel entwickeln in CODESYS 4 und in Betrieb nehmen im CODESYS Development System (V3).
Der Funktionsumfang der ersten Version ist bewusst eng gefasst. Produktiv arbeiten lässt sich heute in zwei Anwendungsfällen: Bibliotheksentwicklung in Strukturiertem Text und Kontaktplan mit automatisiertem Bauen (Buildprozess „CI/CD“), und kleine Geräteprojekte mit Modbus TCP.

Was gleich bleibt
Der wichtigste Punkt zuerst, weil er die häufigste Frage beantwortet: Ihre bisherige Arbeit und Ihre Hardware bleiben nutzbar.
Compiler, Bibliotheken und Runtime sind dieselben. CODESYS 4 verwendet denselben CODESYS-Compiler wie das CODESYS Development System (V3) und dieselben Bibliotheken. Auf der Steuerung läuft dasselbe Laufzeitsystem. Erhalten bleiben Ihre Investitionen in Geräte, in Bibliotheken und in IEC-61131-3-Knowhow.
Sie programmieren weiter nach IEC 61131-3. Strukturierter Text und Kontaktplan (KOP, englisch Ladder) sind von der ersten Version an dabei. Der Kontaktplan-Editor ist der bekannte grafische Editor aus CODESYS 3, für CODESYS 4 neu gezeichnet. Sie müssen keine Hochsprache lernen, um mit CODESYS 4 zu arbeiten.
Bibliotheksprojekte gehen in beide Richtungen. Ein Bibliotheksprojekt, das in CODESYS 3 mit File-based Storage abgelegt ist, öffnet in CODESYS 4, und umgekehrt. Eine in CODESYS 4 übersetzte Bibliothek (Compiled Library) lässt sich in Projekten beider Umgebungen einbinden.
Geräteprojekte brauchen eine Konvertierung. Sie lassen sich zwischen den beiden Umgebungen nicht direkt öffnen. Ein Konvertierungswerkzeug ist vorgesehen, in Version 1.0.0.0 ist es jedoch noch nicht enthalten.
Beide Werkzeuge arbeiten nebeneinander. CODESYS 3 wird weiterentwickelt und gepflegt. Hinter ihm stehen über 300.000 Anwenderinnen und Anwender und mehr als 20 Jahre Reife. Eine Abkündigung steht nicht im Raum, und einen Termin, zu dem CODESYS 4 es vollständig ablöst, gibt es nicht.
Ihre ersten 30 Minuten
Installieren
Windows: Installer (.exe) für x64 ausführen. Linux: Debian-Paket (.deb) für x64 oder ARM64 installieren. Unter Windows startet CODESYS 4 anschließend in einem eigenen Fenster, unter Linux öffnet ein Befehl die Oberfläche im lokalen Browser.
Beispielprojekt öffnen
Die Online-Hilfe enthält Beispielprojekte samt Beschreibung. Öffnen Sie eines davon, bevor Sie ein eigenes Projekt anlegen: So sehen Sie den Aufbau eines CODESYS 4-Projekts an einem fertigen Stand.
Eigenes Projekt anlegen
Die Schritt-für-Schritt-Anleitung führt vom Anlegen des Arbeitsbereichs über das Hinzufügen der Steuerung bis zum Laden der Applikation.
Steuerung verbinden und beobachten
Wählen Sie eine CODESYS-eigene Steuerung aus der Liste weiter unten, laden Sie die Applikation und beobachten Sie Ihre Variablen direkt im Editor. Die Verbindung zur Steuerung läuft über das CODESYS Gateway ab Version 3.5.
Keiner der Fälle trifft zu?
Dann bleibt CODESYS 3 Ihr Werkzeug für die produktive Arbeit. Sehen Sie sich CODESYS 4 trotzdem an: Die Nutzung ist bis Ende 2028 kostenfrei, und Sie lernen dabei die Konzepte kennen, auf denen der weitere Ausbau aufsetzt. Und wenn Sie SPS-Applikationen sowieso professionell im CODESYS 3 Development System entwickeln und dazu die Zusatztools der Professional Developer Edition nutzen, z. B. CODESYS Git oder den CODESYS MCP Server, dann ist CODESYS 4 einfach als weiteres professionelles Tool im Lizenzbundle enthalten. Somit entstehen für Sie dauerhaft keine Mehrkosten!
Bibliotheken bauen: der Ablauf
Bevor es losgeht, zwei Begriffe in einem Satz. Versionsverwaltung Git ist die Ablage, in der jede Änderung an Ihrem Code mit Zeitpunkt und Urheber nachvollziehbar bleibt. Eine Pipeline ist ein Ablauf auf einem Server, der bei einem festgelegten Ereignis automatisch startet und Ihren Code übersetzt und prüft, ohne dass jemand dafür ein Programm öffnet.
Entwickeln
Sie schreiben die Bibliothek im Editor für Strukturierten Text, mit Syntaxhervorhebung, Autovervollständigung und Tooltips beim Hovern mit der Maus. Alternativ entwickeln Sie weiter in CODESYS 3 (siehe Szenario A weiter unten).
Ablegen und vergleichen
Sie checken das Projektverzeichnis in Git ein. Weil alle Dateien Text sind, sehen Sie im Vergleich genau die geänderte Zeile. Zusammenführen paralleler Änderungen und Reviews im Team funktionieren mit denselben Werkzeugen, die Ihre IT-Abteilung ohnehin einsetzt.
Abhängigkeiten festhalten
Libraries.json beschreibt, welche Bibliotheken Sie verwenden. Libraries.lock.json hält fest, welche Versionen dabei tatsächlich zum Einsatz kamen, mit Prüfsumme je Bibliothek. Beide Dateien liegen im Projekt. Ein Rechner in der Pipeline löst damit dieselben Abhängigkeiten auf wie Ihr Arbeitsplatz.
Freigeben und automatisch bauen lassen
Sie markieren den freigegebenen Stand im Repository mit einer Versionsnummer. Diese Markierung (Tag) startet die Pipeline. Der Server holt sich den markierten Stand und ruft c4 library save-compiled auf. Das Übersetzen läuft ohne Oberfläche, es muss also niemand daneben sitzen.
Ausliefern und einbinden
Ergebnis ist eine übersetzte Bibliothek (Dateiendung .compiled-library) ohne mitgelieferten Quellcode. Sie lässt sich signieren, versioniert ablegen und anschließend in Projekten in CODESYS 3 und in CODESYS 4 einbinden. Über Erfolg oder Fehler informiert die Pipeline per E-Mail oder Chat.


Kleine Geräteprojekte: der Ablauf
Projekt anlegen
Arbeitsbereich anlegen, Geräteprojekt erstellen, CODESYS-eigene Steuerung auswählen (zum Beispiel CODESYS Control Win V3 x64) und die Programmiersprache festlegen.
Programmieren
Die Ablauflogik entsteht in Strukturiertem Text, Verriegelungen und Verknüpfungen im Kontaktplan-Editor. Der Kontaktplan-Editor liegt in Version 0.1 mit grundlegenden Offline-Funktionen vor und wird weiter ausgebaut.
Ein- und Ausgänge anbinden
Im Projektbaum ergänzen Sie einen Ethernet-Knoten, darunter den Modbus TCP Client/Server oder das Modbus TCP Server Device. Kanäle anlegen, Ein- und Ausgänge auf Variablen mappen.
Laden und beobachten
Applikation auf die Steuerung laden, Variablen direkt im Editor oder in der Watchlist beobachten.
Was hier noch fehlt:
Ein Online-Change am laufenden Programm ist in Version 1.0.0.0 nicht möglich, ebenso wenig das Setzen von Haltepunkten und das Schreiben und Forcen von Variablen. Auch die Anzeige der Signalflüsse im Kontaktplan zur Laufzeit fehlt noch. Für die klassische Inbetriebnahme an der Maschine bleibt deshalb CODESYS 3 das richtige Werkzeug.

Hinweis zur Einordnung
„Webbasiert" beschreibt die Technik der Oberfläche. CODESYS 4 ist kein Cloud-Dienst und wird nicht als Mietsoftware angeboten. Wo die Software läuft, entscheiden Sie. Der Betrieb vollständig im eigenen Netz ist in allen vier Varianten möglich. Server- und Gerätebetrieb setzen Linux voraus.
Was Version 1.0.0.0 noch nicht enthält
Die Entwicklung hat beim Fundament begonnen: dateibasierte Ablage, Trennung von Oberfläche und Hintergrundprozess, Aufruf über die Kommandozeile, Erweiterungsmodell. Der Funktionsumfang wächst darauf mit jeder Version.
Zwei Ebenen sind dabei zu unterscheiden.
Außerhalb der beiden Anwendungsfälle bleibt CODESYS 3 Ihr Werkzeug. Das betrifft alles, was über Strukturierten Text, Kontaktplan und Modbus TCP hinausgeht, etwa die weiteren IEC-61131-3-Sprachen, weitere Feldbusse, Visualisierung, Motion und Safety.
Innerhalb der beiden Anwendungsfälle fehlen ebenfalls noch Funktionen, die Sie aus CODESYS 3 kennen. Dazu gehören die Online-Funktionen an der laufenden Steuerung (Online-Change, Haltepunkte, Forcen von Variablen), Komfortfunktionen der Bearbeitung (unter anderem Refactoring, Querverweisliste, projektweites Rückgängig und Wiederherstellen), Werkzeuge zur Qualitätssicherung (unter anderem Test Manager, statische Analyse, automatisierte Modultests, Erzeugung der Bibliotheksdokumentation) sowie Erweiterungen externer Partner mit eigenen Editoren und Konfiguratoren. Diese Lücken sind bekannt und werden Schritt für Schritt geschlossen.
Welche Funktionen eine Version konkret mitbringt, steht in den Release Notes und in der Online-Hilfe zur jeweiligen Version. Einen Ausblick auf die kommenden sechs bis zwölf Monate gibt das halbjährliche CODESYS Feature Briefing.
Unterstützte Steuerungen
In Version 1.0.0.0 sind ausschließlich CODESYS-eigene Laufzeitsysteme freigegeben.
Plattform | CODESYS-Laufzeitsystem |
Raspberry Pi | CODESYS Control for Raspberry Pi MC SL, CODESYS Control for Raspberry Pi SL, CODESYS Control for Raspberry Pi 64 SL |
Windows Soft-SPS | CODESYS Control Win V3, CODESYS Control Win V3 x64, CODESYS Control RTE V3, CODESYS Control RTE V3 x64 |
Linux | CODESYS Control for Linux ARM SL, CODESYS Control for Linux ARM64 SL, CODESYS Control for Linux SL |
Virtuelle Steuerung | CODESYS Virtual Control for Linux ARM SL, CODESYS Virtual Control for Linux ARM64 SL, CODESYS Virtual Control for Linux SL |
Mindestversion des Laufzeitsystems
Service Pack 18 (CODESYS V3.5 SP19) oder neuer. Grund: Ab dieser Version bringt das Laufzeitsystem die Benutzerverwaltung mit. Die unsicheren Protokolle älterer Versionen wurden in CODESYS 4 nicht erneut umgesetzt. Die Verbindung zur Steuerung läuft über das CODESYS Gateway ab Version 3.5.
Steuerungen, die bisher mit CODESYS 3 programmiert wurden
Lässt sich CODESYS 4 mit jeder Steuerung verwenden, auf der ein ausreichend aktuelles CODESYS-Laufzeitsystem läuft?
Die Antwort hat zwei Teile. Auf der Ebene von Compiler und Laufzeitsystem gibt es keine Hürde: Übersetzter Code aus CODESYS 4 läuft auf jeder Steuerung, die auch Code aus CODESYS 3 ausführt, vorausgesetzt das Laufzeitsystem hat mindestens Service Pack 19 als Grundlage.
Freigegeben für die Projektierung in Version 1.0.0.0 sind jedoch nur die oben aufgeführten CODESYS-eigenen Laufzeitsysteme. Der Grund liegt nicht im Laufzeitsystem, sondern im Projektierungsteil: Ein Gerät bringt eine Gerätebeschreibung und ggf. auch herstellereigene Bibliotheken mit. Beim Auflösen dieser Bibliotheken und ihrer Platzhalter kann es in CODESYS 4 zu Problemen kommen, solange der Gerätehersteller sie nicht für CODESYS 4 geprüft hat. Technisch lässt sich Hardware anderer Hersteller einbinden, eine Zusage auf Funktion gibt es dafür aktuell nicht.
Der vorgesehene Weg: Der Gerätehersteller prüft Gerätebeschreibung und Bibliotheken mit CODESYS 4 und stellt sie bei Bedarf als CODESYS 4 Content Extension bereit. Anwenderinnen und Anwender können solche Erweiterungen voraussichtlich ab Version 1.1.0.0 installieren. Sprechen Sie Ihren Gerätehersteller darauf an, wenn Sie CODESYS 4 mit seiner Hardware einsetzen möchten.
CODESYS 4 im Betrieb ansehen
Video: Motivation und Hintergrund (Englisches Webinar, Teil 1)
Warum eine webbasierte Entwicklungsumgebung für Steuerungen entsteht und wie sie sich zu CODESYS 3 verhält.
Video: Live-Showcase Bibliotheksentwicklung (Englisches Webinar, Teil 2)
Gezeigt werden der textuelle Vergleich zweier Projektstände im Git-Server, die Anmeldung am gemeinsamen Server, die Editoren und eine GitLab-Pipeline bis zur herunterladbaren übersetzten Bibliothek.

Bezugsinformationen
Bezug und Download
CODESYS 4, Version 1.0.0.0, verfügbar im CODESYS Store.
Auslieferungsformen
- Windows x64: Installer (.exe)
- Linux x64: Debian-Paket (.deb)
- Linux ARM64: Debian-Paket (.deb)
Lizenz und Kosten
Die Nutzung von CODESYS 4 ist bis Ende 2028 kostenfrei. Ein kostenpflichtiges Lizenzmodell ist frühestens ab 2029 vorgesehen und soll Teil der Professional Developer Edition werden. Wer Applikationen ohnehin mit den Zusatzwerkzeugen der Professional Developer Edition entwickelt, etwa CODESYS Git oder dem CODESYS MCP Server, erhält CODESYS 4 damit als weiteres Werkzeug im selben Paket, ohne Mehrkosten. Das CODESYS Development System (V3) bleibt kostenfrei. Für den Rechner, der in einer Pipeline baut, wird in der ersten Version keine eigene Lizenz benötigt.
Voraussetzungen
- Betriebssystem: Windows x64, Linux x64 oder Linux ARM64. Server- und Gerätebetrieb setzen Linux voraus.
- Browser für die Bedienung unter Linux und im Serverbetrieb: aktueller Browser.
- Steuerung: CODESYS-eigenes Laufzeitsystem ab Service Pack 18, siehe Liste oben.
- Verbindung zur Steuerung über CODESYS Gateway ab Version 3.5.
- Eine Internetverbindung ist für den Betrieb nicht erforderlich.
Auf dem Laufenden bleiben
Anmeldung zum Early-Adopter-Programm
Teilnehmende erhalten vertiefende Informationen zu CODESYS 4 und können Rückmeldung zur Priorisierung geben. Das Programm steht allen Interessierten offen und umfasst keinen Vorabzugriff auf die Software.
