Mobile Automation

Mit der Anmeldung via RFIDChip löst sich die Türverriegelung des Schlauchkastens & der Waschvorgang ist möglich.

Der Fahrer hält den RFID-TAG vor den Schreiblesekopf, der alle relevanten Zugangsginformationen ausliest.

Mit dem robusten Design eignet sich Turcks BL-ident-System auch für den Außenbereich.

Waschplätze für Tiertransporter automatisiert

Hans Turck GmbH & Co. KG / Mülheim an der Ruhr / Deutschland – Automation mit dem RFID-System BL ident

Um seine Waschplätze für Tiertransporter vollautomatisch betreiben zu können, setzt der österreichische Anlagenbauer Ness-Schneider Turcks RFID-System BL ident ein. Die robuste ID-Lösung erlaubt dem LKW-Fahrer, der sich mittels RFID-TAG autorisiert, den Zugriff auf den Hochdruck-Reinigungsplatz und erfasst gleichzeitig den Wasser- und Reinigungsmittelverbrauch sowie die Nutzungsdauer – zuverlässig bei Wind und Wetter.

 

Ob Skiliftkarte, Hotelzimmerschlüssel oder Konsumationsuhr in der Therme – RFID ist im täglichen Leben fast schon allgegenwärtig. Auch im industriellen Bereich findet die praktische Identifikationstechnologie immer mehr Anwendungsbereiche. Turck hat dafür einen ausgereiften modularen Systembaukasten entwickelt, der sich herstellerunabhängig mit so gut wie allen Steuerungssystemen koppeln lässt.

 

Zu Nutze macht sich das flexibel einsetzbare, industrietaugliche System unter anderem auch der österreichische Kläranlagenbauer Ness-Schneider. Als Portfolioabrundung seiner Abwasseraufbereitungslösungen für die Nahrungsmittelindustrie bietet das Unternehmen auch Waschplätze zum Reinigen der Transportfahrzeuge an. Die Identifikation der LKW und die exakte Nutzdauererfassung erfolgt dabei vollautomatisch via RFID-Key. Erst wenn das System den Chip als „berechtigt“ erkennt, gibt es der Pumpensteuerung das Freizeichen für „Wasser marsch“.

 

Das in Wien und Grünau/Oberösterreich ansässige Unternehmen Ness-Schneider besteht seit 1994. Ursprünglich als Handelsbetrieb für Kläranlagenkomponenten tätig, entwickelte sich die Firma über die Jahre immer mehr zum Produzenten. 2004 wurde sie von NTA – New Technology Anlagenbau, einem Anlagenbauer, der sich auf die Nahrungsmittelindustrie spezialisiert hat – übernommen und ist seither im Privatbesitz der Familie Steinmaurer. Heute liefert Ness-Schneider als forschungsorientiertes Unternehmen neben Anlagen für die Trinkwasserversorgung umwelttechnische Kompaktanlagen und Komponenten für die Reinigung von Industrieabwässern.

 

Die Kunden finden sich vorwiegend in der Nahrungsmittelindustrie, beispielsweise gemüse-, fleisch- oder milchverarbeitende Betriebe. „Wir bieten den gesamten Bogen des Kläranlagenbaus – von der biologischen Prozesstechnik über Projektmanagement, Entwicklung und Konstruktion, den eigentlichen Maschinen- und Anlagenbau, die Elektro- und Automatisierungstechnik inklusive Schaltschrankbau bis hin zur Montage sowie Inbetriebnahme vor Ort. Dabei agieren wir als Generalunternehmer. Einzig bei bau­lichen Tätigkeiten wie Betonierarbeiten beauftragen wir Partner, ansonsten kommt alles von uns“, erklärt der Geschäftsführende Gesellschafter Walter Steinmaurer. Und betont: „Kläranlagen für Kommunen machen wir selten – wir sind vorwiegend auf Industrieabwässer spezialisiert.“

 

Robustes ID-System gesucht


Individuelle Kundenwünsche zu erfüllen, gehört beim Projektgeschäft zum Arbeitsalltag – und daraus resultieren nicht selten Lösungen, die letztendlich ins Standardangebot Einzug halten. „Wir haben immer wieder Anwendungen, wo es sich anbieten würde, auch Identifikationsaufgaben zu übernehmen“, berichtet Steinmaurer weiter. „Deshalb machten wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Identifizierungssystem, das am Markt als ausgereiftes Serienprodukt angeboten wird und dessen Hersteller es kontinuierlich weiter entwickelt – schließlich streben wir generell gute und langfristige Partnerschaften mit unseren Lieferanten an.“

 

Fündig wurde man schließlich bei Turck. Von dem Mülheimer Automatisierungsspezialisten bezieht der Anlagenbauer bereits seit vielen Jahren diverse Komponenten für die Mess-, Steuer- und Regeltechnik. Turcks modulares RFID-System BL ident hat sich – nach einer intensiven Testphase – als ideal für die gestellten Anforderungen erwiesen. Das erste mit dem Turck-System realisierte Projekt betrifft eine relevante Funktionserweiterung der von Ness-Schneider entwickelten Viehwagenwaschplatz-Einrichtungen für Schlachthöfe. Laut europäischer Hygieneverordnung müssen Transportfahrzeuge unmittelbar nach Entladen der Tiere gereinigt werden, die dabei anfallenden Abwässer werden direkt der Kläranlage zugeführt.

 

Eine entsprechende Reinigungsmöglichkeit wird von den Schlachthofbetreibern zur Verfügung gestellt – allerdings in der Regel nicht unentgeltlich. Um aber trotzdem den Waschplatz ohne Personal vor Ort betreiben zu können, entwickelten die Techniker von Ness-Schneider ein ausgeklügeltes Selbstbedienungskonzept, indem sie die Freigabe ihrer Hochdruck-Reinigungseinheit mit der RFID-Technologie von Turck automatisierten. Der Schlüssel der Lösung liegt im wahrsten Sinn des Worts in einem münzgroßen RFID-Chip. Auf diesen Datenträger lädt sich der jeweilige Fahrer ein Zeitguthaben. Ein kurzes Halten des Schlüssel-TAGs vor das Schreiblesegerät der Bedienstation startet die Identifizierung.

 

„Sämtliche im passiven TAG abgelegten Informationen, beispielsweise die Namen von Fahrer und Transportunternehmen, das Kennzeichen und weitere Daten, werden automatisch ausgelesen. Die Systemsoftware prüft, ob der Inhaber berechtigt ist, die Waschanlage in Betrieb zu nehmen und ob noch ausreichend Guthaben vorhanden ist“, beschreibt Steinmaurer die Funktion. Passt alles, löst sich die Verriegelung der Tür vom Schlauchkasten, der Fahrer nimmt die Hochdruckpistole in die Hand und kann mit dem Waschvorgang beginnen. Wasser- und Reinigungsmittelverbrauch sowie die Nutzdauer werden währenddessen exakt erfasst. Hinterher müssen der Schlauch ordnungsgemäß aufgerollt und die Tür wieder geschlossen werden – erst nach diesen Aufräumarbeiten wird das Schreiblesegerät aktiv, wenn der Fahrer erneut seinen Chip davor hält, um das verbleibende Guthaben zurückzubuchen und um sich ordnungsgemäß abzumelden.

 

Industriegerechte Outdoor-Lösung


Für Walter Steinmaurer sind es gleich mehrere Aspekte, die das RFID-System von Turck besonders auszeichnen und die letztendlich für seine Wahl ausschlaggebend waren. Das robuste Design der einzelnen Komponenten, die sowohl in Schutzart IP20 als auch in IP67 zur Verfügung stehen, sowie der breite Temperaturbereich von -25° bis +85° C und somit die Eignung für den Außenbereich untermauern den Begriff „indus­triegerecht“. Der ausgereifte modulare Systembaukasten bietet neben diversen FRAM-Datenträgern (TAGs) in unterschiedlichen Bauformen und Größen voll vergossene Schreibleseköpfe, die sogar in Schutzart IP69K erhältlich sind, RFID-I/O-Module und Gateways sowie die passende Verbindungstechnik.

 

„Besonders wichtig war uns die Offenheit zur Steuerungswelt. Da wir unsere Anlagen weltweit ausliefern, müssen wir hinsichtlich der eingesetzten Steuerungs-Hardware sehr flexibel sein – aktuell setzen wir vier verschiedene SPS-Systeme ein“, erklärt Steinmaurer eine weitere wesentliche Anforderung. „Das Turck-System können wir an alle Steuerungen problemlos koppeln – entweder über einen Standard-Feldbus oder via Ethernet. Und es lässt sich jederzeit erweitern.“ Die Gateways sind via CODESYS programmierbar und werden so zu dezentralen Steuerungseinheiten.

 

Auch die Software-Integration ins eigene System von Ness-Schneider stellte dank offener Schnittstellen kein Problem dar. „Ich bin hoch zufrieden“, lobt Steinmaurer. „Die Turck-Lösung funktioniert wunderbar. Auch was den Support betrifft – wir fühlen uns von Alfred Fröstl, dem Turck-Vertriebsmann für Oberösterreich, sehr gut betreut. Wir haben den verlässlichen Partner gefunden, den wir suchten. Die Implementierung in unser System klappte auf Anhieb und war in wenigen Tagen erledigt, in Summe haben wir keine 100 Arbeitsstunden investiert.“

 

Nicht zuletzt aufgrund der positiven Erfahrungen beim ersten umgesetzten Projekt hat der Firmenchef bereits weitere Einsatzmöglichkeiten für das Turck-RFID-System in petto. „Beispielsweise für die Milchanlieferung an Molkereibetriebe, wo es unter anderem um einen dokumentierten und rückverfolgbaren Nachweis der Tankwagenreinigung geht“, verrät Walter Steinmaurer abschließend.

 

AutorThomas Reznicek ist Chefredakteur der österreichischen Fachzeitschrift Austromatisierung

 

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Weitere Infos über Turck unter:
www.turck.de

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